Liebe im Büro

40 Prozent der Deutschen waren schon einmal in einen Kollegen, in eine Kollegin verliebt. Wenn man älter als 30 Jahre ist, entsteht etwa ein Drittel aller Liebesbeziehungen am Arbeitsplatz. Dort verbringt man viel Zeit und hat die Möglichkeit, sich langsam und gründlich kennen zu lernen. Man spürt, ob der andere sympathisch ist, ob man miteinander kooperiert, ob man Konflikte klären kann.

Oft ergeben sich durch einen interessanten Beruf auch spannende Gespräche. Partnerschaften mit Kollegen können oft sehr intensiv sein, weil man die gleiche Sprache spricht. Man versteht sich leichter mit Menschen, die von denselben Schwierigkeiten betroffen sind, ähnliche Erfahrungen machen und die vertraute Berufssprache sprechen. Deshalb sind Lehrer oft mit Lehrern und Banker oder Ingenieure oft mit Kollegen zusammen. Auch US-Präsident Barack Obama lernte seine Frau bei der Arbeit in einer Kanzlei kennen.

Aber es kann auch problematisch sein, wenn Liebe und Beruf verschwimmen. Problematisch bei solchen Berufs-Partnerschaften ist allerdings oft eine Neidproblematik. Je ähnlicher der Beruf des Partners ist, desto leichter vergleicht man sich mit ihm. Einfacher ist es daher manchmal, eine Liebesbeziehung mit Menschen zu haben, die einen völlig anderen Beruf ausüben. Sie kann man sehr unbeschwert loben, weil man sich nicht mit ihnen vergleicht.

Dieser Vergleich ist natürlich dann besonders problematisch, wenn der Partner in der gleichen Firma arbeitet. Ein Kollege wird befördert oder bekommt mehr Anerkennung und sofort fragt man sich: warum nicht ich? Und vor allem bei Kollegen sollte man gelegentlich vorsichtig sein und sich fragen: was passiert, wenn diese Liebesbeziehung scheitert? Könnte dann der ehemalige Partner jene Geheimnisse gegen mich verwenden, die ich ihm anvertraut habe? Es ist eine Fähigkeit zu vertrauen, aber müssen wir auch auf unsere Gefahrensignale achten.

Früher wurden daher in vielen Firmen Verhältnisse bei der Arbeit nicht gern gesehen. Es gab Firmen, bei denen sogar vereinbart wurde, dass Liebesbeziehungen zu melden sind. Das gilt für viele Firmen noch heute vor allem dann, wenn eine Liebesbeziehung mit einem Vorgesetzten beginnt. Doch es gibt auch Firmen, in denen Liebesverhältnisse am Arbeitsplatz regelrecht gefördert werden. Hier geht man davon aus, dass das Arbeitsklima dadurch verbessert wird. Vor allem in innovativen Unternehmen wie Apple oder Google verschwimmen Freizeit und Arbeit. Man spielt zusammen Tischtennis, es gibt Ruhezonen und man kommt den Kollegen auch privat nahe. Liebesverhältnisse mit Kollegen sind dann normal.

Anders ist dies beispielsweise bei deutschen Banken, wo üblicherweise eher die Trennung zwischen Arbeit und dem Privatleben gewahrt bleibt. Das ist mitunter für den Arbeitnehmer von Vorteil. Die Trennung der Lebensbereiche ist für uns vor allem dann wichtig, wenn es Konflikte gibt.

Verschwimmen Privatleben und Arbeit zu sehr, ähnelt unser Lebensmodell dem des Mittelalters: Wir können uns dann nicht mehr aus dem Weg gehen und begegnen und zwangsläufig, auch wenn die Beziehung schwierig geworden ist oder eine Trennung ansteht. Notfalls muss dann derjenige Kündigen, der über weniger Macht verfügt.

Hinweise

  1. Liebe im Büro sollte man nur dann praktizieren, wenn man notfalls auf den Arbeitsplatz verzichten kann. Sonst kann es immer Konflikte geben, die schwer zu bewältigen sind.
  2. Grundsätzlich gilt: Keine Liebesbeweise während der Arbeit.
  3. Dauert die Beziehung bereits drei Wochen, sollte der Chef eingeweiht werden, damit keine Gerüchte entstehen.
  4. Erotische Beziehungen mit einem Vorgesetzten sind immer problematisch, weil hier zum einen die Vermutung aufkommt, dass man bevorzugt wird. Zum anderen ziehen sich die Kollegen zurück und erzählen nicht mehr unbefangen, weil sie Angst haben, dass alles beim Vorgesetzten landet, was sie in der Frühstückpause unbekümmert erzählen.

Kostenloser Abdruck – auch auszugsweise – bei Hinweis auf das Buch des Autors:

Wolfgang Krüger: Freiraum für die Liebe – Nähe und Abstand in der Partnerschaft.

Kontakt: krueger-berlin@web.de

 

 

 

 

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